Freundschaftsverein Tczew-Witten e.V.



Informations- und Gesprächsabend »Bettis Salon«:

Dienstag, den 28. April 2020 um 19.00 Uhr

im „Alten Fritz” – in der Augustastraße in Witten

Wurzeln der polnischen Krise

Gespräch über ein Essay des polnischen Kulturphilosophen Andrzej Leder über die tiefgreifenden Umwälzungen in der polnischen Gesellschaft zwischen 1939, dem Beginn der deutschen Okkupation mit der Ermordung der Juden, und 1956, dem Ende des Stalinismus und ihre bis heute wirkenden Folgen, bis hin zur Krise der polnischen Gesellschaft heute und die Krise der Demokratie.



Leder, Andrzej: Prześniona rewolucja  wiczenie z logiki historycznej
Titel der polnischen Originalausgabe

Leder, Andrzej:
Polen im Wachtraum : Die Revolution 1939-1956 und ihre Folgen / Aus dem Polnischen von Sandra Ewers ; mit einer Einführung von Felix Ackermann. – Osnabrück : fibre, 2019. – 256 S. : Ill.
Prześniona rewolucja wiczenie z logiki historycznej
(Klio in Polen ; 20)
ISBN 978-3-944870-63-2
28,00 Euro

Der Warschauer Kulturphilosoph Andrzej Leder analysiert in seinem historischen Essay den Kern der gesellschaftlichen Umwälzungen Ostmitteleuropas zwischen 1939 und 1956: die Ermordung der polnischen Juden im Zweiten Weltkrieg sowie die Zerstörung des Landadels als Folge der nach 1945 aufgezwungenen neuen Gesellschaftsordnung. Leder argumentiert, dass es sich dabei um eine Revolution handelte, die die soziale Struktur der polnischen Gesellschaft grundlegend veränderte. Mit seinem geisteswissenschaftlichen und psychoanalytischen Instrumentarium zeigt er, warum sie bis in die Gegenwart nachwirkt.

Leder verweist auf die Veränderung des Imaginariums dieser Umwälzungen als eines Geflechts von Mythen und Phantasmen, die das gesellschaftliche Bewusstsein bis heute bestimmen. Er erklärt die widersprüchliche Wahrnehmung einer aufgrund deutscher und sowjetischer Besatzung weder selbst bestimmten noch selbst organisierten, aber doch konkreten Beteiligung an diesen Prozessen: Alle Polen wurden unmittelbar mit der Gewalt der Besatzer konfrontiert und mussten sich dazu verhalten. Die Analyse der Ursachen einer systematischen Ausblendung des Subjektcharakters polnischer Akteure im Zuge der "polnischen Revolution" sieht Leder als Ausgangspunkt für ein "spätes Erwachen", das den von ihm diagnostizierten "Wachtraum" der polnischen Gesellschaft beenden kann.

Andrzej Leder, geb. 1960, Kulturphilosoph, ist Professor am Institut für Philosophie und Soziologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Sein vorliegendes, im Original 2014 unter dem Titel Prze niona rewolucja erschienenes Buch löste in Polen eine kontroverse Debatte aus.





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